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Nein, heute werde ich Euch nicht mit meinen Lebensweisheiten oder Problemchen meines Alltagslebens unterhalten. Dieser Post dreht sich um ein ziemlich ungewöhnliches Thema: um diesen Blog! Er begleitet mich nun schon seit einem geschlagenen halben Jahr als treuer Freund durch die unendlichen Weiten des Internets.Eine Tatsache, der ich leider ins Auge schauen muss: Mein Blog ist nur eine winzige Insel im grossen Meer des WorldWideWeb. Vielleicht stösst jemand beim Surfen auf diese Seite und kann in meinen Beiträgen schmökern. Ich bezweifle aber, dass sich allzu viele Leute in diese Gewässer verirren. Doch manchmal, ich war selbst überrascht, ziehe ich einen der vielfältigen  Kommentare und Feedbacks an Land. Diese wurden zwar nie als Strandgut(„Spam“)abgestempelt und wieder zurück ins Meer geworfen, nein, sie waren immer ermunternd und konstruktiv. Um es zuzugeben, ich war, bis vor einigen Monaten, noch nie richtig mit dem Thema „Blog“ in Berührung gekommen.

In der Schule starteten wir im Deutschunterricht ein Projekt: Wir sollten 20 Blogeinträge schreiben, in der Ideenfindung und Gestaltung des Blogs waren wir jedoch absolut frei. Ich kann nun rückblickend sagen, im Vergleich zu den Aufsätzen, die wir üblicherweise schreiben, brachte dieses Projekt ein wenig Frische und Moderne in den Schulalltag. Zuerst zerbrach ich mir natürlich den Kopf, womit ich diese 20 Einträge füllen könnte. Die anfänglichen Ideen(die ich hier lieber nicht erwähnen möchte und über die ich im Nachhinein ziemlich lachen musste)konnte ich später zu nichts gebrauchen. So ging ich auf Fischfang, auf Ideensuche. In der Stadt, in der Küche, in der Bibliothek, überall wurde ich für neue Posts inspiriert. Das Schreiben selber fiel mir erstaunlich leicht. Ich hatte zu Beginn einige Bedenken. Hernach konnte ich sagen, dass sich diese als unbegründet erwiesen. Die Welt der Blogs öffnete sich mir: vielfältig, voller Farben und kreativ. Blogs sind eine moderne und interessante Kommunikatonsform, die auch in Zukunft weiter bestehen wird. Durch die verschiedenen Themen und kurzen Geschichten gewinnt man einen kleinen Einblick in das Leben des Bloggers, einer Person am anderen Ende der Welt und man ist erstaunt wie ähnlich das Leben dieses Menschen dem deinen ist. Am meisten Spass machte mir aber das Kommentareschreiben. Es war sehr interessant, die verschiedenen Schreibstile der anderen Blogger kennenzulernen und ich stiess auf Themen, von denen ich noch nie zuvor gehört hatte. Alles in allem wurden meine Erwartungen übertroffen und ich kann sagen, das Blogschreiben war eine Bereicherung für mich.

Zu aller Anfang musste ich mich zurechtfinden und die speziellen Gestaltungsmöglichkeiten des Blogs erkunden. Mit dem Ergebnis bin ich aber im Grossen und Ganzen zufrieden.Ich muss zugeben, das Blogschreiben macht mir mittlerweile richtig Spass. Ich fühle mich wie Robinson Crusoe auf meiner eigens ausgestatteten Bloginsel in mitten des gewaltigen Internet-Ozeans. Ich ritze heute die 21. Kerbe in meine Palme, denn ja, mitgezählt mit den Posts habe ich wirklich genau. Vielleicht werde ich dieses Projekt, da es nun zu Ende ist, auf eigene Faust weiterziehen. Möglich ist alles. Nur von der Zeit her wird es manchmal ein wenig zu zermürbend. Ideen hätte ich jedenfalls. Wie eine Flaschenpost werden sie von Zeit zu Zeit zu mir geschwemmt und ich werte den Inhalt aus. Die Ideen der Blogs sind ja schier unbegrenzt. Ich könnte über die Aufzucht von Zwerghamstern schreiben-oder über die Teetassensammlung meiner Grossmutter…Wobei letzteres Thema vielleicht zu den etwas weniger erkundeten Inseln gehören würde. Nun, die Zeit um Abschied zu nehmen ist gekommen. Ich spanne meinen Regenschirm auf, werde vom Seewind emporgetragen, er flüstert mir Wörter zu und ich fliege über das Meer davon auf dem Weg zum Horizont. Wie ein roter Luftballon.Flaschenpost

Manchmal erscheint mir das Leben wie ein richtiges Spiegelkabinett: undurchsichtig, geheimnisvoll und voller Illusionen. Nun ja, ein solch abenteuerliches Leben führe ich im Allgemeinen zwar nicht, doch einige kleine Augenblicke aus dem Alltag regen trotzdem zum Nachdenken an. Ich achte mich normalerweise nicht auf die versteckten, nicht immer offensichtlichen Dinge. Wenn ich am Morgen auf den Bus renne, mit fliegenden Taschen und verknoteten Schnürsenkeln, habe ich nur ein Ziel in meinem Kopf; noch rechtzeitig den leidigen Bus zu erwischen und dies möglichst ohne einen Schuh zu verlieren oder im Matsch zu landen. Währenddessen könnte ich den schönsten Sonnenaufgang beobachten. Eine leuchtend rote Sonne in mitten des Morgennebels, die zwischen den Bäumen hindurchschimmert wie eine polierte Kupfermünze, die irgendjemand da oben verloren hatte.  Obwohl ich am Morgen nie auf so poetische Weise vor mich hin sinniere, musste einfach einmal gesagt werden, dass ich Sonnenaufgänge als wunderbare Ereignisse betrachte (obwohl ich im Allgemeinen immer noch schlafe, wenn die Sonne am Himmel emporsteigt). mirror1

Seid ihr schon einmal ins Gras gelegen und habt die Wolkenformen über Euch beobachtet? Nun ja, jeder sieht in einer Wolke eine andere Figur. Da kann ein hübscher Blumenstrauss schnell einmal zum Atompilz werden oder eine Maus zum Elefanten. Ich habe leider die etwas unangenehme Eigenschaft, in allem Gesichter und Figuren zu sehen. Das kann manchmal etwas pikierend sein, vor allem, wenn es eine andere Person betrifft. Gut, manchmal scheint jedoch auch mir das Kunstverständnis zu fehlen. Zum Beispiel bei meinem kleinen Cousin, der sich selbst als Superman gezeichnet hatte und mir das Ergebnis stolz präsentierte. Ich konnte aber auf den ersten Blick nur eine rot-blaue Ente erkennen, was ich ihm natürlich nicht sagte. Erst als er mir klarmachte, dass das er seie, wurde mir bewusst, dass er sich wahrscheinlich nicht als geflügeltes Schnabeltier darstellen würde. Fakt ist: Jeder hat eine andere Sicht auf die Dinge, seien es politische Themen, impressionistische Kunstwerke oder die Zeichnungen des 6-jährigen Cousins. Nur beim Wetter sind meist alle derselben Meinung. Hier noch ein interessanter Link zu Optischen Täuschungen. Klickt Euch einmal durch! Ich finde es äusserst erstaunlich, wie sich das menschliche Auge verwirren und überlisten lässt. Ein Lob an alle Künstler, die solche vertrackten Bilder anfertigen können!

Alle diese Illusionen im Alltagsleben sind für mich wie zusammengeschnittene Szenen aus einem Film. Manchmal glaube ich, eine Person, auf die ich nur kurz aus dem Augenwinkel einen Blick erhaschen konnte, schon einmal irgendwo gesehen zu haben. Momente glaube ich schon einmal erlebt zu haben, in einem Traum oder anderswo. Das sind die alltäglichen Trugbilder, die sich vor mir auftun, ganz so wie in einem Theater voller Masken und Musik, ein grosser Spiegel, der die Träume oder Gedanken des Betrachters zeigt. Doch dann folgt die kalte Ernüchterung, wenn der Spiegel vor deinen Augen in Tausende von Splittern zerbirst und dir die Realität ins Gesicht blickt-mit schrecklicher Offenheit. Alle Illusionen sind beiseite gewischt und vergessen im Angesicht der Wirklichkeit. Manchmal kommt mir alles so vor wie in einem Märchen, einem düsteren Schattenspiel oder aber in einem dieser Endlosstories; alles wiederholt sich, geht zu Ende und nimmt wieder seinen Anfang. Ich hätte diesen Post auch so beginnen können: Es war einmal ein Mädchen, das am Morgen nur sehr schwer aufstehen konnte. Stolpernd rannte sie jeden Morgen zur Bushaltestelle und eines Tages verlor sie einen Schuh…(basierend auf einer wahren Geschichte!) Der Schuh landete im Dreck und fluchend humpelte sie zurück, um ihn zu holen. Drömirrorhnend fuhr der Bus davon und mit ihm auch die Garantie, rechtzeitig in die Schule zu kommen. Zugegeben, bei Grimm hätte diese Version etwas anders ausgesehen. Das arme Mädchen kommt nicht rechtzeitig zur Kutsche, die ohne es zum königlichen Ball fährt. Ausserdem wären Aschenputtels Schühchen etwas leichter und zierlicher gewesen als meine Winterstiefel, die in der obigen Geschichte zu Recht nur eine Nebenrolle übernommen hatten. Nun zu meiner obigen Aussage, das Leben seie ein einziges Spiegelkabinett: verzerrt, manchmal klar, strahlend, schlicht einfach überwältigend. Einfach sehenswert ist auch das Spiegellabyrinth im Gletschergarten in Luzern. Wir waren vor Jahren einmal dort, in diesem Saal voller Spiegel, überall sah man Gänge, die ins Nichts führten, das hundertfach gespiegelte Selbst und oft stiess man sich die Nase an den Spiegelwänden. Lasst Euch auch von der „Welt hinter den Spiegeln“ verzaubern!

Real Happiness…

Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt, sondern wer sich selbst dafür hält. – Lucius Annaeus Seneca

Was braucht es zum Glücklichsein? Geld, Freunde, Wissen oder einfach ein Leben, wie man es sich erträumt? Wenn ich an früher zurückdenke, bin ich überrascht, wie einfach es war, mich glücklich zu stimmen. Ich war, zur Freude meiner Eltern, ein sehr gutgläubiges Kind. Wenn ich so nachdenke, werde ich mir erst richtig bewusst, dass mir meine Eltern so ziemlich alles erzählen konnten-und ich hatte es ihnen ohne Widerspruch geglaubt! Einige Beispiele dafür:

1. Ich habe erst nach 8 Jahren erfahren, dass unsere Nachbarskatze, mit der wir so oft gespielt hatten, nicht ins Katzenaltersheim, sondern zum Einschläfern zum Tierarzt gebracht wurde. Das war, um es unter der Hand zu sagen, trotzdem ein ziemlicher Schock für mich.

2. Ich hatte, bis ich elf Jahre geworden war, fest daran geglaubt, dass Punkt zwölf Uhr in der Nacht zu meinem Geburtstag eine Eule mit einem Brief von Hogwarts an mein Fenster klopfen würde. Zu meiner Verteidigung: ich war erst elf und zudem geradezu Harry-Potter-süchtig! Wenigstens war oder bin ich nicht die einzige auf der Welt, die diese Enttäuschung verkraften musste.

Wenn wir früher in den Bergen wandern gingen, suchte ich wirklich in den Büschen nach Zwergen, die sich dort unter den Pilzen und Kräutern verstecken mochten. Und manchmal glaubte ich aus dem Augenwinkel zu sehen, wie zwischen den Mohnblumen eine rote Mütze blitzschnell verschwand. Ja, nach dieser Kindheit ist es kein Wunder, dass meine Fantasie auch jetzt noch manchmal ein wenig zu weit ausschlägt. Wenn ich so nachdenke, werde ich mir immer mehr im Klaren, dass unsere Eltern oder Grosseltern uns sehr stark auf unser Leben hin prägen. Oder auch die Idole, die wir in unserer Jugendzeit hatten, bleiben (teilweise) auf unser Leben hin, erhalten. So war ich zu Recht erstaunt, als meine Gotte bei unserem letzten Besuch mit einem Elvis-Presley-T-Shirt auftauchte. Alle bleiben eben im Herzen jung. So zum Beispiel meine Grossmutter. Bei jeder Gelegenheit erzählt sie mir von ihren Erlebnissen aus jungen Jahren, von ihren Reisen nach Marokko, Indien oder Amerika und von dem überwältigenden Gefühl, als sie sich ihre erste Vespa gekauft hatte. An bei ein bekannter Song aus ihrer Zeit, der doch die Unbeschwertheit aus diesen Jahren sehr gut demonstriert.

Solche Lieder machen doch auf ihre Art glücklich, sie sind leicht, haben eine eingängige Melodie und bleiben über Generationen hinweg populär. Zum Glücklichsein braucht es meiner Ansicht nach nicht viel. Mein eigenes Rezept zur Lebensfreude: Wenn draussen kaltes, nasses Wetter herrscht und man jeden Morgen beinahe auf dem Matsch auf den dunklen Strassen ausrutscht, sollte man sich, gerade zum Trotz, eine kleine Auszeit gönnen. Ich spreche da nicht etwa von Meditation oder dergleichen, sondern von einem gemütlichen Filmabend zu Hause, mit einer Tasse Kaffee, einigen Keksen und einer warmen Decke, in die man sich einkuscheln kann. Nimm das Leben, wie es gerade ansteht und blicke in die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft gleichermassen, verweile nicht zu lange und geniesse jeden Moment mit den Personen, die dir wichtig sind.Blog4

Diese Tasse muss doch irgendwo aufzutreiben sein. Das Motto lacht mich ja geradezu an, spricht es doch direkt aus meiner bequemen Seele heraus. Wo, in einem Katalog? In einem Geschäft? Egal, zum „Glück“ gibt es ja das Internet.

Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist. Victor Hugo

Die Musik war schon immer ein Weg für mich, einen Moment aus der Wirklichkeit auszusteigen und mich mit dem Rhythmus treiben zu lassen, denn  je nach Stimmung beruhigt oder ermuntert einen die Melodie und der Songtext wieder. Ich höre alle Arten von Musik; von Reggae über Soul zu Pop. Ein Song, der mir oftmals hilft, wieder Energie zu tanken, ist „A night like this“ von Caro Emerald.Sie singt davon, dass man einen wichtigen Moment nicht gedankenlos beiseite schieben darf, denn später bereut man die Entscheidung vielleicht. Ihr müsst Euch einmal darauf achten, dass überall in unserem Leben die Musik anzutreffen ist. Sei es jetzt der Kellner, der summend einen Kaffee bringt, der Strassenmusikant an der Ecke, der Verkäufer, der den Takt zu dem Song, der gerade aus den Ladenlautsprechern klingt, auf die Kasse trommelt. Einmal sass ich im Bus und hatte Kopfhörer auf und auf der Strasse fuhr ein Velofahrer vorbei, der wirklich genau im Takt des Songs, den ich gerade hörte, strampelte.

Natürlich kann einen die Musik manchmal auch zum Wahnsinn treiben; bei mir ist dies der Fall, wenn ich einen sogenannten „Ohrwurm“ irgendwo aufgegabelt habe. Dieses Lied verfolgt mich dann geradezu wohin ich auch gehe. Momentan läuft mir ein Song nach, den mir mein Bruder aufgehalst hat. Ich finde es eigentlich ein sehr schönes Lied, ein wenig traurig zwar, aber irgendwie erinnert es mich zurück an meine Kindheit, wo wir die CDs dieser Band oft gehört hatten.

Das Tanzen gehört für mich zur Musik dazu, so, wie es auch keinen Film ohne Musik geben könnte(mal ehrlich; habt Ihr schon einmal einen Film ohne begleitende Instrumente oder Hintergrundmelodie geschaut? Die Musik verleiht den Szenen ja erst den wahren Charakter, die Dramaturgie, die Spannung und lässt die Zuschauer mitfiebern. Ich meine, was wäre „Harry Potter“ ohne die Musik von John Williams? Wenn man die bekannte Melodie hört, denkt man sofort an…nein, das ist bei jedem belly dancebestimmt ganz unterschiedlich. Das war nun eine wirklich lange Zwischenbemerkung…kehren wir zum Thema zurück!). Jedenfalls besuchte ich zusammen mit einer Kollegin am Samstag einen orientalischen Tanzkurs. Obwohl Belly Dance in all den Filmen immer so leicht und unbeschwert wirkt, können wir nun nach 2 Stunden Kurs sagen; dem ist überhaupt nicht so! Dieser Tanz lebt von kleinen Bewegungen, die sehr viel aussagen, aber ziemlich anstrengend sind. Man hat auf viele Dinge gleichzeitig zu achten, auf die Haltung, die Körperspannung und die anmutigen Schritte im Gleichklang mit Armen, Schultern und Hüften.

Wer nun aber ganz ohne Tanzkurs, Musik oder fliegende arabische Tücher voller klimpernder Perlen vom Orient träumen will, dem empfehle ich, es sich zu Hause bequem zu machen, ein Räucherstäbchen anzuzünden und eines der Bücher von Rafik Schami zu lesen. Ich persönlich kenne „Reise zwischen Nacht und Morgen“, „Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte“ und „Der ehrliche Lügner“. Viele seiner Bücher handeln von seiner Heimat Damaskus, als es noch Geschichtenerzähler gab, die in den Kaffeehäusern vor atemlosen Zuhörern Märchen von Dschinns und schönen Prinzessinnen zum besten gaben. Schamis Geschichten scheinen wie aus Tausend und einer Nacht gegriffen, trotzdem werden sie so lebendig und berührend erzählt, dass sich das Lesen wirklich lohnt. Er versteht es, den Leser zum Lachen und zum Träumen zu bringen- und zum Nachdenken über die kleinen Verrücktheiten unserer heutigen Zeit. Lasst Euch auch einmal von seiner schönen Erzählweise verzaubern!

Wenn ich an die Zukunft denke, sehe ich einige verschwommene Umrisse von Gebäuden und Personen vor mir. Im Moment erscheint sie mir noch weit entfernt und undeutlich wie in einem Traum. Da schwebt manchmal auch der Gedanke im Raum, wo ich später einmal wohnen werde. Für mich ist es sehr wichtig, dass ich mich an einem Ort wohl fühlen kann. Früher haben wir auch in der Stadt gelebt, doch bald wurde die 3 ½ Zimmer-Wohnung zu klein für unsere Familie und wir sind aufs Land gezogen, zwar nicht gerade auf einen Bauernhof, doch trotzdem war da eine Mischung aus Wald, Dorf und Stadt zugleich. Ich kann mir aber auch wieder vorstellen, später in der Stadt zu leben, in einer kleinen, alten, behaglichen Wohnung; meiner eigenen Hobbithöhle, eingerichtet nach meinem Geschmack.

Am Abend jeweils, draussen ist es dunkel und kalt, öffne ich das Fenster und schliesse die Augen. Kühle Nachtluft weht mir entgegen. Ich blinzle und sehe die vielen blinkenden Lichter der Stadt unter mir. Hinter jedem der glänzenden Lichtpunkte verbirgt sich ein Fenster oder eine Strassenlaterne, die man nur wie ferne Glühwürmchen in der dunklen Nacht erkennen kann. Ich sehe auf der Strasse unter mir einige Leute im Lichtkegel eines vorbeifahrenden Autos auf dem Trottoir vorbeischlendern, sie werfen lange Schatten auf das Pflaster. Ich höre sie lachen. Zürich bei NachtAuf dem Balkon auf dem Haus gegenüber glimmt eine Zigarette auf. Der erdige Geruch von Regen liegt in der Luft und vom Bahnhof her höre ich das Geräusch eines einfahrenden Zuges. Die Vorhänge flattern in einer kühlen Brise und ich nehme einen Schluck aus der warmen Tasse Tee in meiner Hand. Die Geräusche und Lichter um mich herum sind das wahre Gesicht der Stadt, das nur bei Nacht zu Vorschein kommt; hupende Autos, ein Stau an der Kreuzung, auf der einen Seite reihen sich rote Lichter, auf der anderen helle, weisse aneinander. Ich schliesse die Augen und höre einfach nur zu. Um nichts in der Welt würde ich diesen Augenblick verpassen wollen.

Natürlich sind das die schöne Seiten der Stadt; doch die vielen unbekannten Gesichter, Menschen, zwischen denen man sich durchquetschen muss, um in den Zug zu steigen? Sind das nicht Aspekte, die viele Personen abschrecken? Und was ist, wenn ich eine schreckliche Vermieterin  habe, die mit ihren gehegten Orchideen unter mir wohnt und jedes Mal hinter dem Vorhang hervor späht, wenn ich das Haus verlasse? Gut, diesbezüglich habe ich schon einiges erlebt. Schon alle Arten von Nachbarn haben uns das Leben schwer gemacht. Da gab es die Katzen-Närrin, zu der ihr besser gar nichts genaueres erfahrt. Da war dieser drogensüchtige Tubaspieler über uns, der jeweils am Morgen seine Stücke einübte oder um halb sieben ein Bad in seinem  Whirlpool nahm, der Tennisspieler, der seine Tennisschuhe in der Waschmaschine wusch, die wir als vierköpfige Familie mit 8 anderen Personen teilen mussten. Die unheimliche Raucherin, die es im Viertelstundentakt nach draussen trieb, um eine Zigarrette zu paffen. Kurz, ich habe mich schon an vieles gewöhnt, besser: gewöhnen müssen! Gesagt werden muss jedoch, dass wir nun in einem sehr schönen Zuhause leben und ich mit den jetzigen Umständen rundum zufrieden bin. Doch was denkt Ihr? Seid ihr eher Landmenschen oder treibt es Euch in die Stadt? Herrscht bei Euch eine Nachbarschaftsidylle oder habt ihr auch schon ähnliche Episoden wie ich erlebt?

Hier ein Link zu Stadt-oder Landleben vom Beobachter.

Ich sehe Schwärze, gähnende Leere. Mir wird auf komische Weise schwindlig, mit einem entschuldigenden Blick wende ich mich langsam von der Verkäuferin ab, deren Lächeln mittlerweile etwas eingefroren wirkt. Bin ich krank? Ich denke nicht. Leide ich unter Depressionen? Nein. Es ist nicht einmal die traurige Ernüchterung, dass der Weihnachtsschmuck wieder auf den Dachboden verfrachtet und die letzten Tannennadeln weggefegt wurden. Der letzte Taumel vom Neujahrsfest ist endgültig verflogen, der Zettel mit den guten Vorsätzen irgendwo in meinem Zimmer zwischen Schulbüchern, Teetassen, Stapeln mit Heften und Kleiderbergen untergegangen. Budget-lowres

Wovon ich spreche? Ich bin seelisch und finanziell pleite. Nach dem ganzen Feiern und den riesigen Festtagsmenus trifft einen der kalte Jahresbeginn am härtesten. Eine Ernüchterung ersten Grades (sprichwörtlich gesehen; unsere Temperaturen betragen momentan sogar unter Null); Das Bewusstsein, dass der Alltag wieder über uns hereinbricht und die Routine sich wieder einzustellen droht, macht vielen Leuten zu schaffen, unter anderem auch meiner bescheidenen Persönlichkeit. Das alljährliche Januarloch hat, unbarmherzig wie immer, begonnen. In meinem Portemonnaie herrscht gähnende Leere und in meinem Kopf gähnende Lethargie. Ich habe nicht einmal bemerkt, wie viel Geld ich eigentlich in der Weihnachtszeit ausgegeben hatte. Hier ein schönes Geschenk, da eine Packung gebrannte Mandeln, dort eine Tasse heisse Schokolade…diese Seife riecht so gut, die muss ich haben! So ging es mir jedenfalls in den Wochen vor dem Weihnachtsfest. Ich zerbrach mir den Kopf über Geschenke „pour toute la famille“. Am Schluss war ich richtig zufrieden mit mir selbst. Wie ich mich im Nachhinein doch über mich selbst ärgerte! Mit meinen guten „Taten“ hatte ich meinem Portemonnaie nämlich ziemlich geschadet. Nur bemerkte ich dies leider erst dann, als ich mit einer CD vor der Verkäuferin stand und ich nach ihrem „Das macht denn 15.45 Fr.!“, fahrig wie immer, im Geldbeutel nach dem verlangten Betrag kramte. Dann traf mich wirklich der Schlag, als ich die wenigen Münzen sah, die mir aus dem Portemonnaie entgegenblickten. Ich wendete mich langsam von der ungeduldigen Verkäuferin ab, schnappte mir mit einem entschuldigenden Grinsen die CD und legte sie schnell zurück. Eine ziemlich peinliche Situation. Willkommen im allseits bekannten Januarloch! Im Portemonnaie herrscht Ebbe und das nur, weil ich in der Weihnachtseuphorie in Sachen Geschenke für andere und angesichts der Leckereien in allen Schaufenstern ein wenig über die Stränge geschlagen hatte.

Meine Neujahresstimmung sinkt auf den absoluten Nullpunkt, genau wie die Temperaturen draussen. Die einzige Chance, ein wenig Farbe und Happiness in diese trostlose Zeit zu bringen, sind die Muntermacher der besonderen Art. Sie sind klein, süss, bunt und der absolute Hingucker an jeder Party: die Cupcakes. Manchmal stehe ich einfach in die Küche und backe einige Cupcakes, verziere sie mit phantasievollen Toppings und lasse meinen Gedanken freien Lauf. Die Möglichkeiten der Verzierungen sind unerschöpflich: wolkige Hauben aus Buttercrème, Liebesperlen, himmelblauer Zuckerguss oder Rosen aus Marzipan. Na ja, das alles ist ein ziemlich zuckerlastiger Spass, deshalb kommt auch der Ausspruch „A cupcake a day, and you can throw your teeth away“ nicht von ungefähr. Doch ab und zu kann man sich diese süssen Sünden durchaus leisten, vor allem in den momentanen Cupcake21Januartagen, dieser langen Durststrecke zwischen Weihnachts-und Sportferien. Ich habe hier noch mein Lieblings-Schokoladen-Cupcake Rezept. Tatsächlich habe ich bemerkt, dass diese kleinen Küchlein wahrhaftig glücklicher machen, was sogar diese Cupcake-Weisheiten bezeugen.

Um noch einmal auf den Januar zurückzukommen, wer profitiert denn eigentlich von dieser Zeit im Jahr? Nach Recherche im Internet kam ich zu einem erstaunlichen Ergebnis: die Sportcenter! Nach Jahresbeginn gibt es einen regelrechten Ansturm auf Fitnessabos, wenigstens existieren noch Leute auf der Welt, die ihre Vorsätze fürs nächste Jahr auch umsetzen. Ich habe mir notgedrungen ein Ziel setzen müssen: sparen! Da komme ich nicht darum herum, wenn ich nicht will, dass sich das gähnende schwarze Loch in meinem Portemonnaie ausbreitet. Da werde ich es wohl mit einigen Münzen füttern müssen.

Jeder kennt sie, im Hinterkopf sind sie verankert; die ungeschriebenen Regeln der Gesellschaft. In jedem Land sind sie unterschiedlich und jeder weiss, was sich gehört und was eben nicht. Überall, im Bus, im Restaurant, im Büro oder in der Schule schweben diese Gesellschaftsnormen im Raum und wer sie nicht beachtet hat zwar nichts wirklich zu befürchten, doch den einen oder anderen bösen Blick oder in sich gemurmelte Flüche erntet derjenige, der ins Fettnäpfchen getreten ist, trotzdem.

Nehmen wir als Beispiel die Öffentlichen Verkehrsmittel, die wir jeden Tag benutzen. Im Bus herrscht die Anstandsregel: wenn eine ältere Frau einsteigt, erhebt man sich mit einem „Wend si vilicht anesitze?“ und überlässt ihr den Sitzplatz. Eine kleine gute Tat am Morgen. Dachte ich jedenfalls. Ich habe jedoch schon das Gegenteil erlebt, als eine etwa 80-jährige meine frühmorgendliche paris-metro-sign-j-stuartFreundlichkeit überhaupt nicht zu schätzen wusste und sogar ernsthaft beleidigt war, als ich ihr meinen Platz anbot. In ihrem Walliserdiitsch machte sie mir unmissverständlich klar, dass sie sich noch gut auf den Beinen halten und ich ruhig sitzen bleiben könne. Die Jugend von heute unterschätze die älteren Generationen eben gerne…und in diesem Stil ging das Gezetere noch die halbe Fahrt lang weiter. In Paris, wo das Reisen mit der Métro alltäglich ist, gibt es ebenfalls einige simple Dinge, die man des gesunden Menschenverstandes wegen, besser einhalten sollte(allein schon aus dem Grund, da man keine französische Schimpftirade über sich ergehen lassen will). Jedenfalls drängen sich, wenn man von den Aussenquartieren Richtung Stadtinneres fährt, immer mehr Leute in den schmalen Gängen der Waggons. Da es in der Untergrundbahn vor allem Klappsitze hat, ist es gang und gäbe, dass alle Fahrgäste aufstehen, wenn eine grössere Menschenmenge einsteigen will. Wir, als pflichtbewusste Touristen, befolgten diese ungeschriebene Regel natürlich gewissenhaft. Einmal erlebten wir jedoch, dass sich eine Frau mit einem Babywagen partout nicht erheben wollte. Ein Mann wies sie daraufhin vor allen Leuten zurecht, worauf sie in nicht minderer Lautstärke behauptete, sie habe „mal au dos“. Immer mehr Leute schalteten sich ein, am Schluss schlugen sich beinahe alle Fahrgäste auf die eine oder die andere Seite der beiden Parteien und diskutierten lautstark mit. Dies ist ein kleiner Unterschied zur Schweiz; wenn im Bus einmal jemand aufbegehrt, drehen sich die Leute auf den vorderen Sitzreihen um, mustern den Störenfried mit geschürzten Lippen, schütteln kurz den Kopf und widmen sich wieder ihrer durchaus interessanteren Zeitung. In Paris ergreifen Menschen für andere Partei, die sie noch nie zuvor gesehen haben. Ich kann Euch sagen, nirgends sonst ist Métrodie Begegnung zwischen zwei Personen kürzer als in der Untergrundbahn. Alle paar Minuten steigen Leute zu und verlassen den Wagen bei der nächsten Station wieder. Man sieht der Person vielleicht kurz ins Gesicht und im nächsten Augenblick vergisst man die Züge sofort wieder. Jedenfalls war ich froh, dass der Streit nicht handgreiflich werden konnte und der erboste Mann bei der nächsten Station ausstieg. Nun ja, diese Normen wurden wirklich mit Leib und Seele verteidigt.

Ich habe auch schon allerlei peinliche Situationen erlebt. Manchmal kommt es mir so vor, dass man sich, allein der vorwurfsvollen Blicke wegen, der Mehrheit fügt. Das zeigt dieses Experiment, das ich, allein von der psychologischen Seite her, ziemlich erstaunlich finde. Nun, was hat man wieder einmal gelernt? 1. Schaut jeder Oma zuerst in die Augen, bevor ihr Euch erhebt. Bei den meisten Fällen ist sie Euch dankbar. 2. Wenn ihr in Zukunft einmal Eure Ferien in Paris verbringt, erhebt Euch in der Métro bei grösseren Menschenmengen von Eurem Klappsitz. 3. Lasst Euch auf keine französischen Diskussionen in der Untergrundbahn ein und steigt bei der nächsten Station aus, wenn Ihr irgendwie bemerkt, dass sich die Leute über Euch aufregen. 4. Gebt den Kellnern Trinkgeld, das wird in Frankreich als Stil und Etikette angesehen und allgemein von Touristen erwartet. Jedenfalls wurden wir uns dessen erst richtig bewusst, als der Kellner immer noch lächelnd neben unserem Tisch stand und mit einem Zwinkern nach ein bisschen mehr Trinkgeld verlangte…

Na ja, wer sich jetzt selbst eingestehen musste, dass er noch nie von den obigen Regeln gehört hat, dem empfehle ich wärmstens den Knigge als hervorragende Winterlektüre. Vielleicht werdet ihr danach zu richtigen Verfechtern der ungeschriebenen Gesellschaftsregeln. Die Polizisten der Gesellschaft! Die Retter des Gemeinschaftslebens! Jetzt genug, ich muss meinen Schlaf kriegen, denn das ist eine stillschweigende Abmachung, die ich nur mit mir selber vereinbart habe. Leider wird sie, wie so viele ungeschriebene Regeln, nicht allzu oft eingehalten.